8. Kostümsitzung der Knallgudsjen am 31 Januar. & 01. Februar 2020
  • Kostümsitzung Freitag:
    in 218 Tage, 6 Stunden, 8 Minuten
  • Kostümsitzung Samstag:
    in 219 Tage, 6 Stunden, 8 Minuten

Kaum haben die Knallgudsjen die Fastnachtssitzung in Mosbach vor drei Jahren übernommen, feiern sie am Wochenende vor ausverkauftem Haus und mit rund 110 Akteuren ein närrisches Jubiläum. Zum 33. Mal steigt die große Sause, die der Club der Heimatlosen Anfang der 1980er Jahre ins Leben gerufen hat.

In bunten Polyester gehüllt, mit Vokuhila-Frisuren und manch anderem Accessoire der 80er Jahre, führt das Komitee unter diesem Motto durch die Kostümsitzung. Bunt präsentiert sich auch das Programm. Trotz vieler altbekannter Akteure auf der Bühne trauen sich auch erstaunlich neue Gruppen und Redner auf die Bretter, die für die Mosbacher die Welt bedeuten. Allen voran die neue Haus- und Hofkapelle „Stuwwerogger“.

Mit dem Komitee halten auch die Knallgudsjen Einzug und stimmen das Publikum a la 80er Jahre Hit „Skandal um Rosi“ auf das Motto ein. Telegym mit Komitee-Mitglied Alexandra Spielmann inklusive. Dann schwingt auch schon die Kindergarde Hüften und Beine. Gemeinsam mit den Hüfte schwingenden Vätern zollen die Zuschauer zum ersten Mal stehende Ovationen. Den Solopart des Funkenmariechens gibt Pia Dijkman an Lara Koch ab. Die 12-Jährige tanzt sich mit Professionalität und Ausstrahlung in die Herzen der Narren. Auch die Mittlere Garde, die Renegades, sowie die Große Garde überzeugen zu traditionellen Gardeklängen und kommen ohne Zugaben nicht von der Bühne.

Rund um die Welt geht es mit den Tanzgruppen Ladykracher, Maniacs und Starlights. Die „Ladys“ lassen Elvis Presley auferstehen und glitzern mit Las Vegas um die Wette. Die Maniacs verwandeln den düsteren Fabelwald in ein Elbenland mit Riverdance-Einlagen und Discosound. Mit männlicher Verstärkung watscheln die Starlights erst als Pinguine und Eskimos, um schließlich als Glamour Girls und Boys das Publikum mit akrobatischen Einlagen zum Toben zu bringen.

Auch an männlichen Akteuren fehlt es der Mosbacher Sitzung nicht. Neu dabei sind Kevin Knecht und Johannes von Engelmann als Funkemario. In Supermario-Manie nutzen sie Elemente des Schwarztheaters und bestechen durch Kostüme und Tanzeinlagen. Ein Höhepunkt des Abends ist die neue Gruppe Sunglasses at night. In einen mit LED-Dioden versehenen schwarzen Anzug gehüllt, erhellen sie das Publikum in völliger Dunkelheit mit fantastischen Spezialeffekten und reisen ihr Publikum zu frenetischem Applaus hin.

Der Männerstammtisch Hartes Brot wird einmal mehr den Erwartungen gerecht mit seiner Dschungelbuchreise quer durch den Bachgau. Schon allein Christian Gollas (Balu der Bär) und Andreas Jörg (Panter Bagira) begeistern durch Slapstick-Einlagen und wunderbare Dialoge. Auf der Suche nach Zivilisation für den „Wildenümschter“ führt es sie zu singenden und tanzenden Gangsteraffen nach Ringheim, in die 30er Zone nach „Ploume“, zu den „Wasserelefanten nach Schoffem“ und in die Zivilisationseinöde der Radheimer Schlange. Natürlich finden sie die Zivilisation für Mogli erst in Mosbach. Ein Gemisch von Gesang, Tanz und Theater, gepaart mit grandiosen Kostümen, bringt das Publikum zum Tosen.

Eine fulminante Premiere legt ein anderer Männerstammtisch hin. An Monis Theke stationieren sich die Herren des Eisernen Willens, ziehen gekonnt die Ortsbäckerei, Stammtische und Brandinspektoren durch den Kakao und lassen das örtliche Bäckerleben mit einem Tanz aufleben. Die „zufällige“ Übereinstimmung mit Personen aus dem Ortsgeschehen begeistert die Zuschauer.

Neue Gesichter gibt es auch in der Bütt. Andreas Renk überzeugt als Berater, der in der Business-Analyse der Fastnachtssitzung die immer kürzere Dauer der Polonaise bemängelt und den Zuschauern kurzerhand eine Trockenübung verordnet. Zeche prellen und Bürgermeister ohne Gegenkandidat ist nur durch seine Beraterdienste erfolgreich. Die Business-Analyse der Zuschauer: Unbedingt wieder kommen.

Schon viele Jahre auf der kleinen närrischen Feuerwehrbühne wagen Eckhard Bachmann und Madeleine Löffler erstmals den Schritt auf die große Sitzungsbühne. Als Ehepaar auf einem Kreuzfahrtschiff fliegen sie hochkant von Bord und liefern sich vor dem Publikum einen Schlagabtausch bezüglich der Schuldzuweisung.

Tradition ist Protokollerin Marianne Neukirch. Sie weiß Lokalkolorit von der Obergasse bis zur Gartenstraße zu erzählen. Ihr Auftritt ist nicht wegzudenken, bekommt so doch jeder noch einmal seine Missgeschicke und Unzulänglichkeiten vor Augen geführt. Von der Bachgau-Bahn bis zur ewigen 30-Zone in „Ploume“ nimmt das närrische Urgestein auch die bayerischen Nachbargemeinden ordentlich aufs Korn. Nach einem Jahr Abstinenz steht auch Gerlinde Gronau alias Frieda Sonntag („wie der Feiertag“) wieder auf der Bühne, ist zurück von der Kur, hat mit Weckern ihre Last, die „die Uhrzeit an die Deck schmeiße“ und kämpft mit einer Anziehhilfe für Strümpfe. Allein mit ihrer Vortragsart, zieht sie die Zuschauer in ihren Bann und hat die Lacher auf ihrer Seite.

Am Freitagabend begrüßen die Knallgudsjen auch echte Tollitäten. Comtesse Christine I und Lederbaron Michael I betreten mit dem Gefolge des befreundeten Karnevalvereins der Elf Babbscher aus Hausen die Mosbacher Bühne. Sie überraschen mit einer Rede und einem Lied für die Mosbacher Narren.

Die 33. Fastnachtssitzung ist mehr als gelungen. Sie dauert zwar mehr als sechs Stunden, doch durch viel Abwechslung, neue Akteure und Überraschungen fällt es den Zuschauern nicht schwer, bei der närrischen Sache zu bleiben. Bis in die Morgenstunden sorgt schließlich die Haus- und Hofkapelle für Bewegung.

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