8. Kostümsitzung der Knallgudsjen am 31 Januar. & 01. Februar 2020
  • Kostümsitzung Freitag:
    in 252 Tage, 9 Stunden, 10 Minuten
  • Kostümsitzung Samstag:
    in 253 Tage, 9 Stunden, 10 Minuten

Schaafheimer Zeitung vom 14.Februar 2019

Mosbach(nda) – Gemächlich wiegt Gerlinde Gronau auf der Bühne ihre Hüfte hin und her. Mitgroßen Augen schaut sie ihr gegenüber, meistens ein großes Publikum, an und ruft aus tiefster Seele „Oooh! Nein!?“. So kennen und lieben Fastnachtsbegeisterte die 67-jährige Mosbacherin. Theatralisch, humoristisch und sich eben nie zu schadesein, sich selbst überzogen zu karikieren. Seit 50 Jahren steht Gerlinde Gronau auf der närrischen Bühne, die für sie die Welt bedeuten. In Seligenstadt, der Heimatstadt ihres Ehemannes Manfred hat alles begonnen. Gemeinsam mit Uschi Pardon sind sie dort die legendären Tratschweiber „Bawwettun Frieda“. Als die Heimatlosen die erste Fastnachtssitzung in Mosbach auf die Beine stellten, griff Gronau den Veranstaltern beherzt mit einem Büttenauftritt unter die Arme. Seit nunmehr 37 Jahren plaudert sie auf der Mosbacher Bühneüber Unzulänglichkeiten des Alltags, tritt als Tänzerin, leichtes Mädchen, Urlauberin oder Ehefrau auf. Sie ist wandelbar, betritt die Bühne in schicker Robe, ist sich aber auch nie zu schade für Hässlichkeit. Mal steht die Büttenrednerin und -schreiberin solo oder im Zwiegespräch mit ihren Töchtern, Freunden oder Bekannten auf der Bühne. In die klassische Bütt steigt die gelernte Krankenschwester nicht. Stets baut sie nur einen Notenständer vor sich auf. Mimik, Gestik und Kostümsind wichtiger Teil ihrer Bühnenshow. Gerlinde Gronau hat sich in der Mosbacher und Seligenstädter Fastnacht einen Namen gemacht, ist dort nicht mehr wegzudenken. Und doch hat die 67-Jährige nach 50 Bühnenjahren ihren Abschied verkündet. Bescheiden und ohne großes Aufheben wollte sie gehen. „Ich bin nicht der Mensch für Ehrungen und Abschiedsworte auf der Bühne,“ sagt Gerlinde Gronau. Also ließen sie die Knallgudsjen nach ihrem grandiosen 50. Auftritt mit ihrer Tochter Alexandra Spielmann erst die Bühne verlassen, um sie ehrenhaft wieder zurückzuholen. Stehende Ovationen rührten die Mosbacherin und die Zuschauer zu Tränen, am Samstag schritt sie durchein Rosenspalier. „Vor 21 Jahren stand ich mit meiner Tochter zum ersten Mal auf der Bühne. Heute schließt sich also der Kreis.“ Ein Fazit gibt sie ihrem Publikum aber noch mit auf den Weg: „Ich konnte stets über mich selbst lachen. Das ist das Wichtigste.“ Wie sie der Mosbacher Fastnachterhalten bleibt, lässt sie offen.

Ehre, wem Ehre gebührt: Gerlinde Gronaubetritt auf der siebten Kostümsitzung derKnallgudsjen zum 50. Mal die närrische Bühne.
(Foto: Bertram Schaad)

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