7. Kostümsitzung der Knallgudsjen am 08. & 09. Februar 2019

  • Sitzung Freitag:
    in 110 Tage, 8 Stunden, 19 Minuten
  • Sitzung Samstag:
    in 111 Tage, 8 Stunden, 19 Minuten

Schaafheimer Zeitung 14.02.2013

Faschingszug Mosbach

Link zum Artikel: SchaafheimerZeitungKw7-2013

Main Echo 11.02.2013

Wo selbst Legosteine Fasching feiern

Tolle Verkleidungen, verrückte Motivwagen und ein großer Vorrat guter Laune beim Mosbacher Umzug

Karneval in Schaafheim-Mosbach »Es iss immer widder schaäj, hier nach Mosbach zu komme«, sagt Mario Gruber vom Eintracht-Fan-Club Schlierbach – und spricht damit gestern wohl allen aus der Seele, die Jahr um Jahr mit tollen Verkleidungen, verrückten Motivwagen und einem großen Vorrat guter Laune den närrischen Umzug auf der hessischen Seite des Bachgaus zu einem Erlebnis werden lassen.

LegoEs ist der erste Umzug ohne Narrenschiff und Elferrat, nach dem Rückzug des »Clubs der Heimatlosen« aufs närrische Altenteil. Aber er wird wieder auf bewährte Weise vom Kegelclub Rot-Gelb organisiert, und dahinter steht auch die neue Fastnachts-Power der Knallgutsien, die für die »Heimatlosen« in die Bresche gesprungen sind und ein ganz formidables Fastnachtssitzungsdoppel organisiert haben. Im Knast mit den Lady-Krachern Mit einigen der tollen Nummern kann an diesem eisig-sonnigen Mittag Wiedersehen gefeiert werden – zum Beispiel mit den Lady-Krachern, die sich diesmal um einen rollenden Knast geschart haben. Sylvia Hoerst gehört zu den feschen Polizistinnen und droht dem Reporter mit Verhaftung, aber natürlich nur zum Spaß, ansonsten gilt: »Da wo wir sind, kracht’s.« »Unser Fastnachtszug ist einmalig«, jubelt Mosbachs Ortsvorsteher Eckhard Bachmann, »keiner ist verpflichtet, alle machen freiwillig und gerne mit und haben ihren Spaß dabei«. Die Mosbacher Musikanten bilden wie immer die Vorhut, und nach der Kindergarde naht gleich ein ganzer Pulk Privatgruppen, die ja immer mehr zum Charakter des Zugs mit seinen diesmal 28 Nummern beitragen. Wenigumstädter mit dabei »Es ist einfach geil«, lacht Nicole Damm-Arnold dem Reporter auf die etwas simple Frage entgegen, warum sie denn hier mitmacht. Sie gehört zu den Knallgutsien, deren Viererkomitee samt Funkenmariechen Pia Dijkmann den Platz des Narrenschiffs eingenommen hat. Zufrieden blickt sie zurück auf die närrische Kampagne: »Alles super, wir haben von allen Seiten viel Lob gekriegt.« Was ganz Besonderes hat sich hingegen als Ersatz für den Elferrat der Stammtisch Eiserner Wille ausgedacht: Nicht am Ende, sondern mitten drin geben die Jungs mit ein paar Hospitanten den »Elferrad«, wie Stefan Müller berichtet. Das ist Ersatz für die Narrenkappen mit ihrem Narrenschiff, das es nicht mehr gibt, denn »die haben das ja nach dem letzten Umzug verbrannt«. Der Stammtisch Hartes Brot schickte wandelnde Legosteine ins närrische Treiben. In der Sonne steht Joachim Klabunde aus Ringheim. Das frostig schöne Wetter hat ihn und ein paar Kumpels zur kleinen Wanderung nach Mosbach gelockt. Er schaut sich gerne mal den, mal den Fastnachtszug an, diesmal ist seine Wahl auf die direkte Nachbarschaft gefallen, er bereut es nicht. Überhaupt gibt es eine Menge grenzüberschreitende Narretei, auch Gruppen aus dem fränkischen Teil des Bachgaus, ganz traditionell zum Beispiel die Wenigumstädter Musikanten. Kreuz und quer durch den Ortsteil im Grenzgebiet zieht die Narrenschar, Monika Kuhn lobt die Stimmung in den höchsten Tönen, und am Ende vom Zug ist noch lange nicht Schluss, denn bruchlos geht’s in der Mehrzweckhalle weiter mit der »After-Train-Party« der Kegler.

Klaus Holdefehr

Main Echo 09.02.013

Fachfrau fürs Funken

 Pia Dijkman ist das erste Funkenmariechen der Knallgudsje.

Pia Dijkman sitzt auf dem Sofa zwischen halb gepackten Umzugskisten. Die Bürokauffrau mit den blauen Augen und blonden Haaren zeigt Fotos ihrer Tanzkarriere im Garde- und Schautanz und lächelt. Ein regelrechtes Strahlen geht allerdings über ihr Gesicht, als sie von ihrem Soloauftritt als Funkenmariechen auf der Kostümsitzung in Mosbach erzählt.

Pia Dieser Auftritt war in jeder Hinsicht eine Premiere. Zum ersten Mal stand die 30-Jährige solo tanzend auf der Bühne. Zum ersten Mal holten die Knallgudsjen Mosbach (KGM) ein Funkenmariechen auf die Mosbacher Bühne. »Wir sind stolz auf die Tanzgarden in Mosbach. Aber ein Funkenmariechen hat als Element einer klassischen Sitzung noch gefehlt«, erklärt Maic Heckmann, der für das Programm bei den Knallgudsjen verantwortlich ist. Dijkman ist seit 16 Jahren Mitglied in Garde- und Schautanzgruppen. »Der Auftritt als Funkenmariechen hat mein Selbstbewusstsein enorm gesteigert«, sagt die 30-Jährige, die sich eher als schüchtern bezeichnet. Vor sechs Jahren zog sie mit Mutter Gudrun auf Vermittlung ihres Halbbruders Dirk Spielmann von Mömlingen nach Mosbach. Erst vor einem Jahr knüpfte sie hier erste Kontakte durch ihren Beitritt zum Volleyballteam des FSV Mosbach. Auf der Suche nach einem Funkenmariechen sprach sie Teamkollege und Knallgudsje Alexander Braun an. »Die Zusage gab ich zu ziemlich später Stunde in geselliger Runde«, gibt die Halbniederländerin zu. Zu ihrem Wort wollte sie trotzdem stehen. »Für eine Musikdauer von zweieinhalb Minuten, in denen alle nur mich anschauen, braucht man neben der Tanztechnik vor allem Ausdauer und Kraft«, betont Dijkman. Deshalb joggte sie täglich mit Freundin Angelika Höfling. Tipps für den Tanz gab ihre Schwägerin und langjährige Tanzkollegin Susanne Spielmann. Pias Tanzerfahrung machte sich bezahlt: das Mosbacher Publikum war begeistert. Viermal Europameisterin Pia Dijkman begann die Tanzkarriere bei der Garde des Kleinwallstädter Carneval-Vereins, wechselt nach zwei Jahren in die Kleinwallstädter Tanzsportgruppe. »Der Sport steht bei mir im Vordergrund. Eigentlich war ich immer ein Faschingsmuffel. Das ändert sich jetzt gerade etwas«, gesteht sie. Weil der Nachwuchs in Kleinwallstadt fehlt, folgt sie 2003 Freundin Susanne Spielmann zum Tanzsportclub Bimmbär nach Dreieich und feiert dort ihre größten Erfolge. In der Disziplin Gardetanz mit Hebefiguren heimst die Gruppe viermal den Europameistertitel ein, bei denen die Tänzerin vor allem eine »tragende« Rolle einnimmt. In einem Tanzduo nimmt sie an zahlreichen Turnieren teil. »Pro Saison studierten wir fünf Tänze ein. Die Musik gibt den Ton an, und wenn sie stimmt, gelingt auch die Technik«, stellt Dijkman fest. »Die unerträgliche Arroganz« ihrer Tanzkolleginnen treibt sie nach vier Jahren erneut nach Kleinwallstadt. »Dort gab es nur noch die Jugendgruppe, zu der ich altersmäßig nicht mehr passte, aber das Tanzen hat wieder Spaß gemacht.« Heute fungiert sie bei den Kleinwallstädter Little Toros als Co-Trainerin. 1000 Taxen durch Frankfurt Beruflich lotst das Funkenmariechen täglich rund 1000 Taxen durch Frankfurt. Als Büroleiterin arbeitet sie vor allem in der Nachtschicht einer Taxizentrale. Zurzeit bereitet Pia Dijkman ihren Umzug in den bayerischen Nachbarort Wenigumstadt vor. »Ich würde viel lieber in Mosbach bleiben, habe aber keine Wohnung gefunden«, bedauert die Tanzbegeisterte. Die Karriere als Funkenmariechen in Mosbach möchte sie auf jeden Fall fortsetzen. Neben dem Spaßfaktor soll sich schließlich auch die Investition von rund 240 Euro in das Kostüm lohnen. Für ein Projekt steht Pia Dijkman mit den Knallgudsjen noch in Verhandlung: »Die Mosbacher Garden tanzen vor allem im Marschstil. Der Polka Stil, so wie ich ihn getanzt habe, fehlt noch. Ein paar Mädels haben mich schon angesprochen, ob ich sie trainieren kann.« Kein Faschingsmuffel mehr Die Rolle des Faschingsmuffels hat die 30-Jährige mittlerweile auch aufgegeben: »Mit den richtigen Leuten feiere ich auch gerne Fasching und die habe ich in Mosbach gefunden.«

Nicole Damm-Arnold

Schaafheimer Januar 2013

Spannung und Skepsis in Mosbach – „30 + 1“ Kostümsitzung der Knallgudsjen

 Mosbach.(mr; jwr) – Mit Spannung wurde sie erwartet und zugleich mit Skepsis. Würden sie das hohe Niveau des Clubs der Heimatlosen halten können? „ Die Sitzung geht weiter auf jeden Fall, denn wir sind die Gudsjen und ham en Knall“. Am Freitag und Samstag den 18./19.01.2013 fand zum ersten Mal die Mosbacher Faschingssitzung unter der Leitung der Knallgudsjen statt. Bereits seit Wochen wurde die Werbetrommel gerührt und in zahlreichen Zeitungsartikeln und einem professionellen Internetauftritt viel Neues aber auch Altes versprochen.

Neues gab es bereits zu Beginn der Sitzung zu sehen. Der Elferrat wurde durch ein vierköpfiges Komitee ersetzt, welches das Publikum zu Anfang durch viel Humor und mit einem Augenzwinkern über die Sicherheitsbestimmungen auf einer Faschingssitzung vertraut machte. Nach diesem gelungenen Aufwärmtraining für die Lachmuskeln nahm das Komitee an der Seite der Bühne ihre Plätze ein und rief zum Fahnenapell auf. Spätestens nach diesem Akt zur Ortsverbundenheit war des Mosbachers` Faschingsherz erobert und jegliche Skepsis verflogen.

Die erste Tanzeinlage wurde, wie bereits in den Vorjahren, von der Kindergarde aufgeführt. Im Anschluss übernahm Bürgermeister Hehmann das Mikrofon um über die Weisheiten eines Ex-Elfers zu berichten. Einem gelungenen Auftritt der Starlights als Wikinger folgten die Erfahrungen von Anna Kluger als „Tante Anna“ in der Bütt. Wer gedacht hatte, dass sich der Club der Heimatlosen ganz aus dem „Geschäft“ gezogen hatte wurde eines Besseren belehrt. Würdevoll wurde der Verein und ehemalige Ausrichter der Sitzung durch einen Tanz der Mexikaner vertreten. Als Frau von Welt begeisterte „Büttenliebling und –urgestein“ Gerlinde Gronau die Zuschauer durch ihre Erfahrungen und Weisheiten („Die Liebe ist das Licht des Lebens und die Ehe die Stromabrechnung“). Mit großem Beifall für den Zwergenaufstand der Gruppe Bumsdach und die eigens für Mosbach komponierten Lieder der Nobodys (KJG) wurde die Pause eingeläutet.

Der bereits phänomenale erste Teil der Faschingssitzung wurde schon zu Anfang der zweiten Hälfte getoppt. Altbewährt ließ Marianne Neukirch durch die Schlüssellöcher schauen und verriet ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen sämtliche Dorfgeheimnisse des letzten Jahres. Danach wurde ein Zuschauer von Komitee-Mitglied Alexandra Spielmann und ihrem Mann Dirk unter Belustigung des gesamten Publikums in die stabile Seitenlage „verrenkt“. Neu zu den Vorjahren war die anschließende Tanzeinlage des Funkemariechens Pia Dijkman, die sich mit ihrem ersten Soloauftritt in die Herzen des Publikums tanzte. Gewohnt amüsant war auch die Darbietung der „kleinen“ Jungs des Harten Brots – unschlagbar deren Kung Fu Künste sowie der Gangnam Style. Nach einem turbulenten Tanz mit Sträflingen und Polizisten (Lady Kracher) wurde der Zuschauer durch die gaaaaaanz laaaangsame Büttenrede von Jürgen Sauerwein als Zoowärter in das Geschehen der Faschingssitzung einbezogen und zum Mitmachen animiert. Krönender Abschluss war der Auftritt der Maniacs, die als Clowns ihre Zwiespältigkeit zwischen Horror und Humor darboten.

Nach dem großen Finale mit allen Akteuren und nicht enden wollender Bolognese stand einheitlich fest: Skepsis den Knallgudsjen gegenüber war Fehl am Platz. Ja, es gab kleinere Anfangsschwierigkeiten und einige kleinere Pannen. Ja, die Nervosität war spürbar und die Routine der „alten Hasen“ fehlte an manch einer Stelle. Aber…es gab viele beeindruckende Neuigkeiten und Altbewährtes wurde nicht verschmäht sondern durch frischen Wind ergänzt. Der Club der Heimatlosen wurde würdig ersetzt. Wir freuen uns auf die nächsten Jahrzehnte.
Vielen Dank!

Schaafheimer Zeitung 24.01.2013

30+1 Kostümsitzung der Knallgudsjen Mosbach

Link zum Artikel: SchaafheimerZeitungKw4-2013

 

Stadtpost Babenhausen 23.01.2013

„Knallgudsjen“ als Ersthelfer auf der Bühne

CDH
Mosbach
• Erste Hilfe für die Mosbacher Fastnacht leisten momentan die „Knallgudsjen“. Nachdem sich der „Club der Heimatlosen“ 2012 als langjähriger Organisator zurück zog, stand die Gaudi zur fünften Jahreszeit auf wackeligen Beinen. Tatsächlich ginge es heute deutlich ruhiger zu, ohne Sitzung und womöglich auch ohne Umzug, hätten es sich nicht zehn begeisterte Närrinnen und Narren zur Aufgabe gemacht, die Mosbacher Fastnacht zu retten.

So stand auch die Faschingssitzung in der Mehrzweckhalle am Wochenende unter dem Motto „Die Sitzung geht weiter auf jeden Fall, denn wir sind die Gudsjen und ham en Knall“.

Geknallt hat es tatsächlich, nämlich als Bürgermeister Reinhold Hehmann in seiner Büttenrede ein Knallbonbon auseinanderzog und meinte: „Die Mosbacher Gudsjen haben denselben Effekt wie die mit Überraschungen gefüllten Knallbonbons: Mit einem Knall verzaubern sie die Hall!“ Er selbst habe seine Faschingsutensilien bereits eingemottet, umso mehr freue er sich als Mosbacher, dass die Knallgudsjen die stets beliebt gewesene Sitzung erhalten.

Wobei „erhalten“ nicht ganz das richtige Wort ist, da die Sitzung in diesem Jahr keine bloße Fortführung der Reihe war, sondern einige Neuerungen mit sich brachte. Als „alter Elfer“ bekam Reinhold Hehmann die Ersetzung des Elferrats durch ein vierköpfiges Komitee (Alexandra Spielmann, Alexander Braun, Madeleine Löffler, Michael Nick) persönlich zu spüren. „Beim Elferrat gibt es nur einen Redner, die restlichen zehn sitzen als Zierde dabei. Wir wollten gerne weniger, aber dafür gleichberechtigte Vorsitzende“, sagte „Gudsje“ Nicole Damm-Arnold. Hehmann nahm’s mit Humor und die Tradition des Elferrats in seiner Rede auf den Arm.

Die schicke Abendrobe musste dieses Jahr im Schrank bleiben, denn zum ersten Mal wurde zur Kostümsitzung geladen. „Es schafft eine lockerere Atmosphäre, wenn alle verkleidet sind“, meinte Nicole Damm-Arnold.

Dazu trugen auch Die Welzbacher als neue Stimmungsband und die zahlreichen Akteure der insgesamt neun Tanz- und Musikgruppen bei. Darunter auch der Club der Heimat-losen, der die Fastnacht nicht ganz abgeschrieben hat, sondern mit einer Männertanzgruppe, die sich zu „Mexico“ von Mickie Krause bewegten, vertreten war. Den „Zwergen-aufstand“ probten die Herren der Gruppe BUMSDACH, als Gartenzwerge verkleidet, mit riesigen roten Zipfelmützen, legten sie einen amüsanten Tanz aufs Parkett.

Für Lacher sorgten die Büttenredner neben Reinhold Hehmann, Anna Kluger als „Tante Anna“, die von ihren Erlebnissen mit ihrem kleinen, wissbegierigen und kein Blatt vor den Mund nehmenden Neffen erzählte, Gerlinde Gronau, die als Frau von Welt, Beraterin von Barack Obama und Angela Merkel, Vertraute des Papstes und Seelentrösterin der Queen aus dem Nähkästchen plauderte sowie Alexandra und Dirk Spielmann, und Jürgen Sauerwein.

Nicht fehlen durften selbstverständlich die Gardetänzer und das Funkenmariechen. Weitere Auftritte lieferte die als Wikinger verkleidete Tanzgruppe Starlights, die Band Hartes Brot und ein Trio der KJG Mosbach, das ein Rockmedley zur Lobeshymne auf ihren Heimatort machten.

„Warum wir Mosbacher sind“ beantworteten sie mit „die geilsten Einwohner“, „das geilste Dorf“ und beendeten ihren Auftritt mit einer eigenen Version von „An Tagen wie diesen“, in der es hieß „An Tagen wie Fasching, wünscht man sich Unendlichkeit.“

Doch spätestens in der Nacht am Sonntag, war der Faschingszauber, den die Knallgudsjen in die Mehrzweckhalle brachten, gewichen.

Zwar fand die Sitzung aufgrund der großen Nachfrage gleich zweimal, am Freitag und am Samstag, statt, die nächste Veranstaltung beginnt allerdings erst in einer Woche, wenn die KJG am 26. Januar wieder zum Rockfasching einlädt.

rin

Main Echo 21.01.2013

Die Gudsjer lassen es ordentlich knallen

Fastnacht: Die neuen Sitzungs-Gastgeber in Mosbach verzichten auf närrische Revolution – Neue Ideen gepaart mit bewährten Akteuren

Schaafheim-Mosbach. Als er in der Bütt gesteht, dass er als Dieburger eigentlich »Äla« ruft, tief im Herzen aber das »Moschbach Helau« beheimatet ist, hatte ihm das Publikum schon minutenlang stehende Ovationen gezollt. Die Rede ist von Hans Dörr, dem Urgestein der Mosbacher Fastnacht.
LadykracherMit Reden und Tänzen voll gespickt war die Premierensitzung der Mosbacher Knallgudsjen: Dabei lieferten sich die Lady Kracher ein tolles tänzerisches Duell.

Das Komitee der ersten Kostümsitzung der Knallgudsjen überreicht dem früheren Rektor der Grundschule Mosbach, jahrelangem Protokollant der Mosbacher Fastnacht und immer noch Büttenreden-Schreiber für Reinhold Hehmann den allerersten Orden der Knallgudsjen Mosbach. Damit schlagen die Veranstalter gleich eine Brücke zwischen der Sitzungstradition der vergangenen 30 Jahre und der neuen Ära der Fastnachtssitzungen.

Nur noch vier Elfer-Räte
Die Knallgudsjen gehen viele neue Wege, bleiben aber vor allem bei den Akteuren auf der Bühne der alten Linie treu. Die Kulisse schmückt nicht mehr ein Elferrat, dessen Mitglieder laut dem »alten 11er« Hehmann und ersten Redner eh nur »Bocksbeutel leer gemacht, Küsschen verteilt und an de falsche Stell gelacht« hatten, sondern die Mosbacher »Skyline«. An der Bühnenseite residiert das neue vierköpfige Komitee mit Alexandra Spielmann, Madeleine Löffler, Alexander Braun und Michael Nick. Mit erfrischenden Sprüchen leiten sie nicht nur einen Generationenwechsel ein, sondern führen gleichberechtigt durch die knapp fünfstündige, aber kurzweilige Sitzung. Die Sicherheitseinweisungen des Komitees als neue »Crew an Bord« sorgen für die ersten Lacher. Der Ex-Elfer Reinhold Hehmann ist in der Bütt nur froh, dass er »die Faschingskapp« wieder auspacken kann und »Moschbachs Fassnacht erhalte bleibt«.
Neu auch, dass Protokollantin Marianne Neukirch den Lokalkolorit erst zu Beginn des zweiten Sitzungsteils präsentiert. Sie »beklagt« sich denn auch ordentlich, dass »sie als altes Gelersch glei ins hinnere Programm geschowe werd« und dass sie wieder »für umsonst in de Bütt« steht. Ansonsten bietet sie Geschehenes so gut in närrische Reime gepackt, dass hessische und bayerische Fastnachter gleichermaßen ihr Fett weg kriegen.
Ohne Urgesteine kommt die Mosbacher Fastnacht nicht aus. Das beweist die Bütt-Ikone Gerlinde Gronau als Grimmelwütich aus Kaltnackisch. Von Tochter und Komitee-Mitglied Alexandra Spielmann als Vertraute des Papstes, Beraterin Obamas und der Kanzlerin angekündigt, legt die »Dame von Welt« eine Rede in die Bütt, die das Publikum mehrfach zu »Auwauwau«-Gesängen hinreißt. In breitem Hessisch berichtet sie, dass auf ihrem Konto seit 45 Jahren eine Finanzkrise herrscht. Als »Hummerschwanz an der Bockwurstbude« und Besitzerin einer »Seniorenkarte mit einstelliger Pin« weiß sie, dass die Liebe das Licht des Lebens und die Ehe die Stromabrechnung ist. Die noch junge Anna Kluger ist in der Bütt schon als »alter Hase«. Dieses Mal weiß Tante Anna von klugen Kindern zu erzählen, auf deren Fragen man mit einem Lexikon gewappnet sein muss.
Fastnacht interaktiv
In einer Art Sketch suchen Alexandra und Dirk Spielmann als Ersthelfer verzweifelt einen Verletzten, den sie schließlich aus dem Publikum rekrutieren, unter Gelächter und Beifall in die stabile Seitenlage verrenken. Jürgen Sauerwein dagegen nimmt sein Publikum als Zoowärter, dem die »Schnecke fortrenne«, in Anspruch. Durch extrem langsames Sprechen animiert der Schaafheimer Allrounder zum Mitreimen und schafft es so, dass das Publikum jede Sekunde bei ihm ist.
Nicht wegzudenken sind die Showelemente. Da singen die neuen Nobodys, die sich aus der KJG Mosbach formiert haben, zu rockigen Melodien mit eigenen Texten, warum sie Mosbacher sind. Bei so viel Heimatliebe gelignt ihnen ja vielleicht die nächste Mosbacher Fastnachtshymne.
Die Knallgudsjen präsentieren zum ersten Mal ein Funkenmariechen. Pia Dijkman tanzt seit Jahren in einer professionellen Garde und überzeugt bei ihrem ersten Soloauftritt. Gardetänze sind wichtiger Bestandteil in Mosbach. Die Kindergarde schwingt ebenso rhythmisch ihre jungen Beine wie die Garde, die sich aus der Ex-Tanzgruppe »Explosiv« gebildet hat.
Bei den Tänzen stehen die Herren den Damen in nichts nach. Der Club der Heimatlosen schwingt locker und gelöst die Beine und beweist in der Musikwahl zum Thema »Mexiko« so viel Gespür, dass die Zuschauer mitsingen. Die Herren des Harten Brots mimen »die Kleinen«, denen es gelingt, auch mit leichter Kost beim Publikum zu punkten. Die Gruppe Bumsdach probt dagegen den Zwergenaufstand.
Polizei gegen Sträflinge
Bei den Tanzgruppen der Damen liefern sich die Lady Kracher als Sträflinge und Polizisten ein tänzerisches Duell. Die Starlights bewegen sich als moderne Wikinger mit männlicher Unterstützung in die Neuzeit, und die Maniacs überzeugen als Horrorclowns mit einem ausgeklügelten Tanz und exzellenter Schminktechnik. Nach dem großen Finale tanzen Zuschauer und Akteure mit der neuen Hauskapelle Welzbacher bis zum frühen Morgen.
Die Knallgudsjen haben es geschafft, Neues mit Altbewährtem so gut zusammenzufügen, dass die Mosbacher Fastnachter nicht das Gefühl hatten, einer närrischen Revolution ins Auge schauen zu müssen, sondern einer Sitzungssymbiose, die so gut ist, wie sie eben ist.

nda

 

Darmstädter Echo 21.01.2013

„Wir sind Gudsjen und haben‘n Knall“

Mosbach – Gelungener Neubeginn mit neuen Akzenten in der Faschingssitzung – Generationswechsel

Ein paar Neuerungen gibt es: Der Elferrat ist zu einem Vierer-Komitee geschrumpft, die Bühne bietet mehr Platz für Tanznummern und das Bühnenbild ist völlig neu: Es zeigt ein fast expressionistisch zusammengewürfeltes Sammelsurium markanter örtlicher Gebäude und greift über die Grenzen des Mosbacher Dorfs hinaus.
Ganz offensichtlich hat sich auch der Altersdurchschnitt des Publikums nach unten bewegt, und das hat – so bestätigt es „Knallgudsje“ Nicole Damm-Arnold im Gespräch mit dem ECHO – mit dem Generationswechsel bei den Organisatoren zu tun: von Ü-50 auf um die Vierzig.
Über diesen Generationswechsel spricht Bürgermeister Reinhold Hehmann, selbst ein CDHler, in einer einleitenden Büttenrede mit amüsanten Rückblicken und guten Wünschen für die Neuen. Auch diesmal hat er sich wieder auf seinen „Ghostwriter“ Hans Dörr verlassen können. Der inzwischen über 80 Jahre alte ehemalige Mosbacher „Dorfschulmeister“ ist als gebürtiger Dieburger närrisch vorbelastet, ihm wird am Premierenabend der Sitzung eine besondere Ehrung für sein Gesamtwerk zuteil.
Während des weiteren Programms finden sich viele alte Bekannte wieder – wie die „Dame von Welt“ Gerlinde Gronau, die mit schräger Gestik und Mimik ihre Kalauer meist ein wenig unter der Gürtellinie ansiedelt. Anna Kluger berichtet, wie ihr Neffe zum sexuellen Wesen wird; ein Wikinger der Starlights landet etwas unsanft auf dem Bau, und die Herren vom CDH treten ganz entspannt als Tänzer auf und tragen außer mexikanischen Kostümen keine weitere Verantwortung mehr.
Protokollerin Marianne Neukirch hat den ersten Platz in der zweiten Hälfte und beschwert sich lauthals darüber. Die einstige Gruppe „Explosiv“ ist zu einer beachtlichen Garde mutiert.
Die Knallgudsjen haben sich mit Pia Dijkman ein ganz neues Funkenmariechen herangezogen, der Stammtisch Hartes Brot und die Lady-Kracher sind aus früheren CDH-Sitzungen bekannt. Büttenredner Jürgen Sauerwein ist noch nicht ganz so lange dabei, und mit den Horror-Clowns geht’s Richtung Finale mit der obligatorischen Polonäse. Nicht nur Nicole Damm-Arnold im findet: Die Premiere ist gelungen, und die anschließende Party geht bis in den frühen Morgen.

hol

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